Kurz gesagt
Block Storage oder NFS ist für die meisten Instanzen die robustere Wahl: Dateien liegen lesbar auf dem Dateisystem, Werkzeuge wie occ files:scan funktionieren. S3 als Primärspeicher lohnt sich bei großen Datenmengen und mehreren Applikationsservern, setzt aber voraus, dass Datenbank und Bucket immer gemeinsam gesichert werden.
| Kriterium | S3 Object Storage | NFS / Block Storage |
|---|---|---|
| Ablage der Dateien | Objekte urn:oid:<fileid>, ohne Ordnerstruktur und Dateinamen | Normale Dateien und Ordner im Datenverzeichnis |
| Rolle der Datenbank | Einzige Zuordnung von Objekten zu Pfaden und Namen | Cache der Metadaten, Dateien bleiben auch ohne DB lesbar |
| Skalierung | Kapazität praktisch ohne Umbau erweiterbar, mehrere App-Server einfach | Block Storage an einen Server gebunden, NFS für mehrere Server möglich |
| Performance | Latenz pro Anfrage höher, gut bei großen Dateien | Niedrige Latenz bei Block Storage, NFS empfindlich bei vielen kleinen Dateien |
occ files:scan | Nicht verwendbar, Dateien sind nicht auf dem Dateisystem | Funktioniert, z. B. nach manuellen Änderungen |
| Backup | DB-Dump und Bucket müssen zum selben Zeitpunkt passen | Dateisystem- oder Volume-Snapshot plus DB-Dump |
| Wechsel später | Kein offizielles Migrationswerkzeug zwischen den Speicherarten | Kein offizielles Migrationswerkzeug zwischen den Speicherarten |
| Typische Probleme | Lifecycle-Regeln, Multipart-Uploads, Zugriffsschlüssel | NFS-Locking, Rechte und UID-Zuordnung, Mount fehlt nach Neustart |
S3 Object Storage passt, wenn …
- Sie viele Terabyte erwarten und Kapazität ohne Umzug wachsen soll.
- mehrere Nextcloud-Applikationsserver hinter einem Load Balancer laufen sollen.
- Sie einen zuverlässigen S3-Dienst mit Redundanz bereits betreiben oder einkaufen.
- Ihr Backup-Konzept Datenbank und Bucket konsistent zusammen sichern kann.
NFS / Block Storage passt, wenn …
- Sie eine einzelne Instanz mit überschaubarer Datenmenge betreiben.
- Dateien im Notfall auch ohne Nextcloud direkt lesbar sein sollen.
- Sie Werkzeuge wie
occ files:scan, rsync oder Dateisystem-Snapshots nutzen wollen. - das Team mit Dateisystemen vertrauter ist als mit Objektspeicher.
Stolpersteine aus dem Betrieb
- Lifecycle- oder Ablaufregeln am S3-Bucket löschen Objekte, die Nextcloud noch kennt. Ergebnis sind Dateien, die in der Oberfläche erscheinen, aber nicht mehr ladbar sind.
- Datenbank verloren, Bucket noch da: Ohne DB sind die Objekte nur nummerierte Blobs. Ein getestetes DB-Backup ist bei S3 Pflicht.
- NFS: Datenverzeichnis wird vor dem Mount gestartet. Nextcloud schreibt dann ins leere lokale Verzeichnis. Mount-Abhängigkeit in systemd setzen.
- NFS: Unterschiedliche UIDs für den Webserver-Benutzer auf Client und Server führen zu Rechtefehlern. UID/GID auf allen Systemen angleichen.
Häufige Fragen
Kann ich S3 als externen Speicher statt als Primärspeicher nutzen?
Ja. Als externer Speicher bleibt die Ordnerstruktur im Bucket erhalten, und Sie können S3 gezielt für bestimmte Ordner einsetzen. Das ist oft der risikoärmere Einstieg.
Lässt sich der Primärspeicher später umstellen?
Nur mit erheblichem Aufwand über inoffizielle Skripte oder eine Neuinstallation mit Datenübernahme. Planen Sie die Entscheidung deshalb vor dem Produktivstart.